Warum dein Leben nicht entweder oder sein muss
Ein Blogartikel von Claudia Belinova – Human Design Mentorin, Selbstfürsorgementorin & Achtsamkeitstrainerin
sondern ein sowohl als auch sein darf
Wir Menschen machen unser Leben oft viel kleiner, als es eigentlich sein müsste. Und das, weil wir ständig glauben, uns entscheiden zu müssen.
Wir glauben, dass immer nur eine Wahrheit gleichzeitig existieren darf. Wir glauben, dass wir entweder stark oder verletzlich sein dürfen. Wir glauben, dass wir entweder glücklich oder traurig sein dürfen. Wir glauben, dass wir entweder erfolgreich sein dürfen oder uns Ruhe erlauben dürfen. Und genau dort beginnt für viele Menschen ein Kampf gegen sich selbst.
Vielleicht kennst du das aus deinem eigenen Leben.
Vielleicht läuft gerade vieles gut und trotzdem gibt es Themen, die dich belasten. Vielleicht bist du dankbar für das, was du hast, und gleichzeitig traurig über das, was du verloren hast. Vielleicht hast du beruflich viel erreicht und fragst dich trotzdem manchmal, warum du dich innerlich leer fühlst. Vielleicht liebst du dein Leben und hast dennoch Tage, an denen du alles infrage stellst.
Das Problem liegt nicht darin, dass diese Gefühle gleichzeitig existieren. Das Problem entsteht in dem Moment, in dem du glaubst, eines davon müsste verschwinden.
Dann beginnst du gegen dich selbst zu arbeiten.
Dann versuchst du dir einzureden, dass du nicht traurig sein solltest, weil doch eigentlich alles gut ist. Dann redest du dir ein, dass du keine Pause brauchst, weil andere Menschen viel mehr leisten. Dann erklärst du dir selbst, dass du dankbar sein musst und blendest dabei aus, dass gleichzeitig Schmerz vorhanden ist.
Je länger ich Menschen begleite, desto deutlicher wird für mich, dass genau dort viele Probleme beginnen; bei der Bewertung dieser Gefühle. Wir versuchen permanent zu entscheiden, welche Anteile von uns bleiben dürfen und welche verschwinden sollen. Dadurch verlieren wir nach und nach den Kontakt zu uns selbst.
Wenn du traurig bist, bedeutet das nicht automatisch, dass du unglücklich bist. Wenn du Angst hast, bedeutet das nicht automatisch, dass du kein Vertrauen hast. Wenn du erschöpft bist, bedeutet das nicht automatisch, dass du versagt hast. Wenn du Ruhe brauchst, bedeutet das nicht automatisch, dass du schwach bist.
Das Leben ist komplexer als diese einfachen Kategorien.
Viele Menschen leben allerdings so, als müssten sie sich ständig für eine Seite entscheiden. Sie erlauben sich entweder Leistung oder Erholung. Sie erlauben sich entweder Stärke oder Verletzlichkeit. Sie erlauben sich entweder Verantwortung oder Bedürfnisse.
Und genau dadurch entsteht oft das Gefühl, sich selbst nicht mehr wirklich zu spüren.
Wenn du einen Teil deiner Gefühle permanent unterdrückst, musst du irgendwann sehr viel Energie aufwenden, um diese Unterdrückung aufrechtzuerhalten. Vielleicht kennst du das Gefühl, abends erschöpft auf der Couch zu sitzen und trotzdem nicht abschalten zu können. Vielleicht kennst du das Gefühl, eine Stunde durch Social Media zu scrollen, obwohl du eigentlich Ruhe brauchst. Vielleicht kennst du das Gefühl, ständig beschäftigt zu sein und trotzdem nie wirklich zufrieden zu werden.
Oft liegt dahinter nicht mangelnde Disziplin oder fehlendes Zeitmanagement sondern die Tatsache, dass ein Teil von dir Aufmerksamkeit möchte und seit langer Zeit ignoriert wird.
Deshalb möchte ich dir drei Gedanken mitgeben, die du direkt in deinem Alltag ausprobieren kannst.
Der erste Gedanke lautet: Höre auf, Gefühle gegeneinander auszuspielen.
Wenn du das nächste Mal bemerkst, dass unterschiedliche Gefühle gleichzeitig da sind, versuche nicht sofort eines davon wegzumachen. Frage dich stattdessen, ob beide Gefühle gleichzeitig wahr sein könnten. Vielleicht bist du dankbar und traurig. Vielleicht bist du erleichtert und enttäuscht. Vielleicht bist du mutig und verängstigt. Oft entsteht Entspannung genau dort, wo du aufhörst, dich für eine Seite entscheiden zu müssen.
Der zweite Gedanke lautet: Beobachte deine inneren Entweder-oder-Sätze.
Viele dieser Überzeugungen laufen vollkommen automatisch ab. Vielleicht denkst du unbewusst, dass du erst Pause machen darfst, wenn alles erledigt ist. Vielleicht glaubst du, dass du nur dann wertvoll bist, wenn du produktiv bist. Vielleicht glaubst du, dass du dich entweder um andere kümmern kannst oder um dich selbst. Schreibe diese Gedanken einmal auf und frage dich ehrlich, ob sie tatsächlich wahr sind.
Der dritte Gedanke lautet: Gib dir selbst die Erlaubnis, komplex zu sein.
Du bist kein Problem, das gelöst werden muss. Du bist ein Mensch. Menschen sind widersprüchlich, sie verändern sich, sie fühlen mehrere Dinge gleichzeitig, sie entwickeln sich weiter. Je mehr du versuchst, dich in eine einfache Schublade zu pressen, desto weiter entfernst du dich von deiner eigenen Realität.
Persönliches Wachstum bedeutet, dass du lernst, Widersprüche auszuhalten.
Es bedeutet, dass du dir selbst auch dann begegnest, wenn es unbequem wird. Genau dort entsteht die Art von Selbstfürsorge, die nachhaltig ist, weil du aufhörst, gegen dich selbst zu kämpfen.
Je mehr du dir erlaubst, verschiedene Gefühle gleichzeitig wahrzunehmen, desto mehr Raum entsteht in deinem Leben. Du musst nicht länger entscheiden, welcher Teil von dir “richtig” ist.
Du darfst erkennen, dass Freude und Traurigkeit nebeneinander existieren können. Du darfst erkennen, dass Stärke und Verletzlichkeit einander nicht ausschließen. Du darfst erkennen, dass dein Leben größer ist als jede Schublade.
✨ Meine Einladung an dich
Die eigentliche Veränderung besteht darin, dir selbst vollständiger zu begegnen, eine neue Beziehung zu dir selbst aufzubauen.
Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass dich dieses Thema beschäftigt und du tiefer hinschauen möchtest, begleite ich dich gerne dabei.
In einem unverbindlichen Beratungsgespräch können wir gemeinsam herausfinden, welche Muster dich gerade begleiten und welche nächsten Schritte für dich sinnvoll sein könnten. Alle Informationen dazu findest du auf meiner Website unter www.risingphoenix.at/einzeltrainings